Steinway in Austria

Wunderkinder am Tasten-Ferrari

Steinway präsentierte auf Schloss Leopoldskron eine Klavier-Neuheit.


SALZBURG. Sie sind die heimlichen Stars der Salzburger Festspiele – die Steinway-Klaviere, auf die kaum einer der Meisterpianisten verzichten will. 100.000 Euro aufwärts kostet dieser Ferrari unter den Konzertflügeln. „Ein Steinway verliert im Gegensatz zu einem Auto nicht an Wert“, sagt Miranda Martin von Steinway Austria. Seit 20 Jahren hat der Klavierbauer eine Niederlassung in Österreich. Zum Jubiläum lud Steinway Austria am Donnerstag zur Matinee im Schloss Leopoldskron.

Dort präsentierte man „Spirio“, einen hochauflösenden Selbstspieler. Um 20.000 Euro kann man sich verstorbene Legenden wie Vladimir Horowitz oder Arturo Benedetti Michelangeli ins Wohnzimmer holen, die Tasten bewegen sich und die – aufwendig eingespeisten – Klänge kommen dem Original durchaus nahe. Die Anwahl funktioniert über das iPad. „Seit 80 Jahres hat es keine derartige Innovation mehr gegeben“, sagt Steinway-Sprecher Philipp Abramov.

So sehr diese technische Neuheit verblüfft, so gern hört man Interpreten aus Fleisch und Blut zu. Von Tastenautomaten sind die heimischen Hochbegabten weit entfernt, die diese Matinee gestalteten. „Das Klavier ist gut“, sagte etwa die neunjährige Wienerin Soley Blümel in jenem Erwachsenenton, wie ihn nur Wunderkinder anschlagen können. Ihre pointiert-brillante Art, Prokofjev zu spielen, sorgte für Erstaunen. Hochgradige Musikalität ist auch dem Klavierduo Philip Huber (13) und Elias Stadler (11) zu attestieren. Letzterer ist der Sohn des Salzburger Geigers Frank Stadler und meinte über den berühmt-berüchtigten Anschlag des Steinway nur: „Bei uns daheim geht es noch schwerer.“

Die Salzburger Leistungsschau komplettierte Lorenz Widauer, 18-jähriges Multitalent und ein vergleichsweise „alter Hase“ auf den Konzertbühnen. Mit der gleichaltrigen Laura Zotti, einer wunderbar „schwarzen“ Altstimme, musizierte er George Gershwins „Summertime“ – und staunte danach über den Originalklang von Mister Gershwin himself. „Spirio“ macht’s möglich.

Florian Oberhummer
Salzburger Nachrichten vom 25.08.2017